Wenn ich einen neuen Kanal übernehme oder ein Unternehmen berate, poste ich nicht als Erstes. Ich schaue mir an, was da ist. Welche Beiträge gibt es, wie wirkt das Profil, was sagen die Zahlen, wer kommentiert? Genau das ist ein Social Media Audit: eine ehrliche Bestandsaufnahme deines Kanals, bevor du Zeit und Energie in neue Inhalte steckst.
Viele Unternehmen posten seit Jahren, ohne je innezuhalten. Das Ergebnis sind Kanäle, die irgendwie laufen, aber nicht wirklich etwas bewirken. Ein Audit macht sichtbar, was funktioniert, was Zeit frisst und wo ungenutztes Potenzial liegt.
Hier zeige ich dir, wie du ein Audit selbst durchführst, Schritt für Schritt, mit einer Checkliste, die du direkt anwenden kannst.
Was ein Social Media Audit leistet
Ein Audit beantwortet drei Fragen: Wo stehst du gerade? Wo willst du hin? Und was steht dir auf dem Weg dorthin im Weg? Es ist keine reine Zahlenauswertung, sondern ein Blick auf das Gesamtbild aus Strategie, Inhalten, Auftritt und Community.
Sinnvoll ist ein Audit zum Beispiel:
- bevor du eine neue Social-Media-Strategie entwickelst
- wenn die Ergebnisse stagnieren oder zurückgehen
- bei einem Wechsel der Verantwortlichen im Team
- vor einem Relaunch deiner Marke oder Website
- einmal im Jahr als regelmäßiger Check
Schritt 1: Ziele und Zielgruppe überprüfen
Ein Audit ohne Ziel ist wie ein Navi ohne Adresse: Es zeigt dir viele Straßen, aber keinen Weg. Notiere zuerst, was deine Kanäle eigentlich erreichen sollen. Mehr Anfragen? Mehr Bewerbungen? Mehr Besuche im Laden? Mehr Bekanntheit in deiner Stadt?
Prüfe dann, ob deine bisherigen Inhalte zu diesen Zielen passen. Oft zeigt sich hier schon die erste Lücke: Ein Unternehmen will Fachkräfte gewinnen, postet aber fast ausschließlich Produktbilder. Oder es will Kund*innen aus der Region erreichen, nennt aber nirgends den Standort.
Schritt 2: Profil und Auftritt checken
Dein Profil ist die Visitenkarte deines Kanals. Viele Menschen entscheiden in wenigen Sekunden, ob sie folgen. Geh diese Punkte durch:
- Ist sofort klar, wer du bist und was du anbietest?
- Enthält dein Profil wichtige Keywords? Begriffe, nach denen deine Zielgruppe sucht, gehören in Name und Bio.
- Ist der Link aktuell und führt er auf eine sinnvolle Seite?
- Sind Profilbild und Highlights stimmig und aktuell?
- Wirkt der Feed als Ganzes einheitlich und wiedererkennbar?
Schau dir dein Profil dabei mit den Augen einer fremden Person an, am besten auf dem Smartphone, nicht am Rechner.
Schritt 3: Inhalte analysieren
Jetzt geht es an die Beiträge selbst. Nimm dir die Inhalte der letzten Monate vor und ordne sie in Kategorien ein: Produkt, Team, Einblick, Wissen, Aktion, Event. So erkennst du schnell, ob dein Mix ausgewogen ist.
Achte außerdem auf diese Punkte:
- Formate: Nutzt du Reels, Karussells und Stories? Jedes Format hat eine eigene Stärke: Reels für neue Menschen, Karussells für Saves, Stories für Nähe.
- Originalität: Wie viel ist eigener Content, wie viel Repost? Eigene Inhalte wirken glaubwürdiger, fremde Wasserzeichen eher beliebig.
- Bildqualität: Sind Fotos und Videos scharf, gut belichtet und im einheitlichen Look?
- Texte: Sprechen die Captions die Zielgruppe an? Gibt es klare Handlungsaufforderungen?
- Hashtags: Laut der Metricool-Studie hatten Beiträge mit Hashtags 32 Prozent weniger Views. Drei bis fünf gezielte Hashtags genügen.
Bei Audits fällt mir oft auf, dass die stärksten Beiträge eines Kanals gar nicht die aufwendigsten sind, sondern die persönlichsten. Diese Erkenntnis allein kann den Redaktionsplan verändern.
Schritt 4: Kennzahlen auswerten
Erst jetzt kommen die Zahlen ins Spiel. Öffne die Insights deiner Plattform und notiere für einen festen Zeitraum die wichtigsten Werte: Reichweite, Views, Interaktionen, Saves, Shares, Profilaufrufe, Link-Klicks und Follower*innen-Entwicklung.
Wichtiger als einzelne Werte ist der Vergleich: Welche Beiträge liegen deutlich über dem Durchschnitt, welche darunter? Was haben die Top-Beiträge gemeinsam? Berücksichtige dabei Plattformtrends. Laut Metricool ist die Reichweite pro Beitrag gesunken, während Views und Interaktionen gestiegen sind. Eine sinkende Reichweite muss also nicht an deinen Inhalten liegen.
Schritt 5: Community und Wettbewerb betrachten
Ein Audit schaut auch nach außen. Wer kommentiert bei dir, und wie schnell wird geantwortet? Welche Fragen tauchen immer wieder auf? Und was machen vergleichbare Unternehmen in deiner Branche oder Region, nicht zum Kopieren, sondern um Lücken zu finden, die du besetzen kannst.
Hilfreiche Fragen für diesen Teil:
- Welche Themen greifen andere auf, die bei dir fehlen?
- Welche Fragen deiner Community bleiben bisher unbeantwortet?
- Wie schnell reagierst du auf Kommentare und Direktnachrichten?
- Welche Beiträge werden besonders oft geteilt oder gespeichert, und warum?
Vom Audit zum Maßnahmenplan
Die Bestandsaufnahme ist nur so gut wie die Schlüsse, die du daraus ziehst. Fasse die Ergebnisse in drei Spalten zusammen: beibehalten, verbessern, weglassen. Leite daraus wenige, konkrete Maßnahmen ab, lieber drei Änderungen, die du wirklich umsetzt, als zwanzig, die in der Schublade landen.
Wenn du dir einen Blick von außen wünschst, biete ich Social-Media-Audits als Teil meiner Social-Media-Beratung an. Dabei analysiere ich deinen Kanal, bespreche die Ergebnisse mit dir und wir legen gemeinsam fest, welche Schritte als Nächstes sinnvoll sind. Für die strategische Weiterentwicklung danach passt meine Leistung Marketingstrategie.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich ein Audit machen?
Ein ausführliches Audit einmal im Jahr ist ein guter Rhythmus. Dazwischen reicht ein kurzer monatlicher Blick auf die wichtigsten Kennzahlen.
Kann ich ein Audit selbst durchführen?
Ja, mit einer klaren Checkliste und etwas Zeit. Ein externer Blick hilft vor allem dann, wenn man selbst zu nah dran ist oder nicht weiß, wie man Ergebnisse einordnen soll.
Welche Tools brauche ich?
Für den Anfang reichen die integrierten Statistiken der Plattformen und eine einfache Tabelle. Spezielle Analyse-Tools können bei mehreren Kanälen Zeit sparen.
Erst hinschauen, dann loslegen
Ein Social-Media-Audit kostet etwas Zeit, spart aber langfristig viel mehr, weil du nicht mehr ins Blaue postest, sondern weißt, was dein Kanal braucht. Wenn du dabei Unterstützung willst, melde dich gern über meine Social-Media-Beratung.



