Bevor ich hauptberuflich fotografiert habe, war ich selbst im Einzelhandel zu Hause. Ich kenne also beide Seiten: die des Händlers, der abends nach Ladenschluss noch schnell neue Ware fotografiert, und die des Fotografen, der weiß, wie viel mehr in einem Produkt steckt, wenn man ihm Zeit und Licht gibt. Die Frage, ob man Produktfotos für den Onlineshop selbst machen oder einen Profi beauftragen sollte, beantworte ich deshalb nicht pauschal.
Beides kann richtig sein. Es hängt davon ab, was du verkaufst, wie viele Artikel du hast, wie oft sich dein Sortiment ändert und welche Rolle deine Bilder für die Marke spielen. Die folgende Entscheidungshilfe zeigt dir ehrlich, was in deinem Fall sinnvoll ist.
Warum Produktfotos im Onlineshop so viel entscheiden
Im Laden können Kund*innen ein Produkt anfassen, drehen, ausprobieren. Online gibt es nur das Bild. Es muss Material, Größe, Farbe und Qualität so transportieren, dass sich jemand ohne Zweifel für den Kauf entscheidet. Schlechte Bilder führen nicht nur dazu, dass weniger verkauft wird, sie können auch Rücksendungen begünstigen, wenn das Produkt in echt anders aussieht als erwartet.
Gleichzeitig sind Produktbilder ein Teil deiner Markenidentität. Ein einheitlicher Look über alle Artikel hinweg lässt einen Shop professionell und vertrauenswürdig wirken. Ein bunter Mix aus Licht, Hintergründen und Perspektiven erreicht eher das Gegenteil. Aus meiner Zeit im Handel weiß ich, wie sehr der erste Eindruck zählt, im Schaufenster genauso wie auf der Kategorieseite eines Shops. Wer dort nicht überzeugt, bekommt selten eine zweite Chance.
Produktfotos selbst machen: Vorteile und Grenzen
Selbst zu fotografieren hat echte Vorteile. Du bist flexibel, kannst neue Artikel sofort online stellen und brauchst keine Terminabstimmung. Besonders bei großen Sortimenten mit schnell wechselnden Produkten ist das ein starkes Argument.
Die Grenzen zeigen sich meist an diesen Stellen:
- Licht: Gleichmäßiges, schmeichelndes Licht ist die größte Herausforderung. Ohne Erfahrung entstehen schnell harte Schatten oder Farbstiche.
- Konsistenz: Über Monate hinweg denselben Look zu halten, ist schwieriger als gedacht.
- Zeit: Fotografieren, freistellen, bearbeiten, das summiert sich und fehlt woanders im Geschäft.
- Bildsprache: Ein technisch sauberes Foto ist noch kein Bild, das Lust auf das Produkt macht.
Profi beauftragen: Wann es sich lohnt
Ein Profi bringt vor allem drei Dinge mit: Erfahrung mit Licht, ein Auge für Bildsprache und eine durchdachte Bearbeitung. Ich bearbeite in Lightroom und lege für jede Serie einen Look fest, der sich auf alle Bilder übertragen lässt. Das sorgt für einen Shop mit einheitlichem Erscheinungsbild. Außerdem denkt ein Profi Formate mit: Welche Bilder brauchst du quadratisch für die Artikelseite, welche im Querformat für Banner, welche im Hochformat für Stories?
Besonders sinnvoll ist professionelle Unterstützung, wenn:
- du eine Marke aufbaust und deine Bilder ein klares Gefühl transportieren sollen,
- deine Produkte hochwertig sind und das auch auf Fotos sichtbar werden muss,
- du neben Freisteller-Bildern auch Stimmungsbilder für Website, Newsletter und Social Media brauchst,
- dir im Tagesgeschäft schlicht die Zeit für Fotografie fehlt.
Ich fotografiere dabei bei meinen Kund*innen vor Ort, also in deinem Laden, deinem Lager oder deiner Werkstatt. Gerade für Stimmungsbilder ist das ein Vorteil, weil das echte Umfeld deiner Marke mit ins Bild kommt. Mehr dazu findest du auf meiner Seite zur Produktfotografie für Einzelhandel und Onlineshops.
Der Mittelweg: Kombinieren statt entweder–oder
In der Praxis funktioniert oft eine Mischung am besten. Professionell entstehen die Bilder, die deine Marke prägen: Startseite, Kategorie-Header, Kampagnen, Bestseller und Stimmungsbilder. Einfache Freisteller für Standardartikel oder kurzfristige Neuzugänge fotografierst du selbst, idealerweise nach klaren Vorgaben, die wir gemeinsam festlegen.
Ein solcher Leitfaden kann zum Beispiel definieren, welcher Hintergrund, welche Perspektiven und welcher Bildausschnitt verwendet werden. So bleiben auch selbst gemachte Fotos im Look konsistent. Wenn du das lernen willst, kann ein Workshop sinnvoll sein, meine Fotografie-Workshops lassen sich auch auf Produktfotos zuschneiden.
Tipps, falls du selbst fotografierst
Wenn du dich für den eigenen Weg entscheidest, helfen dir diese Grundregeln:
- Nutze großes, weiches Fensterlicht statt direkter Sonne oder Deckenlampen.
- Fotografiere immer am selben Ort mit demselben Aufbau, um Konsistenz zu sichern.
- Arbeite mit Stativ, damit Perspektive und Ausschnitt gleich bleiben.
- Zeig Details: Nähte, Oberflächen, Verschlüsse, genau das wollen Kund*innen sehen.
- Bearbeite alle Bilder einer Serie mit denselben Einstellungen.
Bilder auch für Social Media mitdenken
Viele Onlinehändler*innen konzentrieren sich auf die Artikelbilder und vergessen, dass sie auch Content für Instagram und Co. brauchen. Produkte in Anwendung, kleine Szenen aus dem Alltag, kurze Reels vom Auspacken oder Verpacken bringen Leben in deine Kanäle. Wer das beim Shooting mitplant, bekommt mit einem Termin Material für mehrere Zwecke.
Gerade hier zeigt sich oft der größte Unterschied zwischen reinen Katalogbildern und Content, der verkauft. Ein Freisteller beantwortet die Frage, wie ein Produkt aussieht. Ein Bild in Anwendung beantwortet die Frage, warum man es haben möchte. Beides gehört in einen guten Onlineshop. Wenn du regelmäßig Inhalte für deine Kanäle brauchst, lohnt sich ein Blick auf ein durchdachtes Konzept, bei dem Fotos und kurze Videos in einem Rutsch entstehen und über Wochen hinweg genutzt werden können.
Häufige Fragen
Reicht ein Smartphone für Produktfotos im Onlineshop?
Für einfache Freisteller kann ein aktuelles Smartphone mit gutem Licht und Stativ ausreichen. Für hochwertige Marken- und Stimmungsbilder stößt es schneller an Grenzen.
Wie oft sollte ich meine Produktfotos erneuern?
Immer dann, wenn sich Sortiment, Verpackung oder Markenauftritt ändern. Auch ein in die Jahre gekommener Look kann ein Anlass sein, neu zu fotografieren.
Was beeinflusst den Aufwand eines Produkt-Shootings?
Vor allem die Anzahl der Artikel, die gewünschten Bildvarianten, der Bearbeitungsaufwand und die geplante Nutzung. Auf dieser Grundlage erstelle ich ein individuelles Angebot.
Lass uns über deine Produkte sprechen
Ob du alles abgeben, nur die wichtigsten Bilder professionell erstellen lassen oder selbst besser fotografieren willst: Ich helfe dir, den passenden Weg zu finden. Schreib mir, was du verkaufst und wie groß dein Sortiment ist. Alle Infos findest du auf meiner Seite zur Fotografie für Onlineshops.



